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Die erste Steuererklärung
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3.1 Werbungskosten

Arbeitnehmer-Pauschbetrag

Für die Werbungskosten gibt es einen Arbeitnehmer-Pauschbetrag von 1.000 Euro im Jahr, der automatisch vom Finanzamt berücksichtigt wird. Es lohnt sich also nur dann Belege für die Werbungskosten einzureichen, wenn man damit Kosten von mehr als 1.000 Euro im Jahr nachweisen kann.

Aufwendungen für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte

Zu den Werbungskosten zählen auch die Aufwendungen für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte. Dies hat das Bundesverfassungsgericht im sogenannten "Pendlerurteil" bestätigt.

Für die einfache Entfernung zwischen Wohn- und Arbeitsort wird pro Kilometer ein Betrag in Höhe von 0,30 Cent angesetzt (Entfernungspauschale). Dabei spielt es keine Rolle, mit welchem Verkehrsmittel die Strecke zurückgelegt wurde oder ob der Arbeitnehmer zu Fuß zur Arbeit geht.
Bei 220 Arbeitstagen reichen schon 16 Kilometer Entfernung, um den Arbeitnehmer-Pauschbetrag zu überschreiten (es dürfen maximal 4.500 Euro jährlich als Fahrtkosten geltend gemacht werden, wenn Sie nicht mit dem Auto zur Arbeit fahren). Diese Pauschbeträge gelten unabhängig vom benutzten Verkehrsmittel und bedürfen keines besonderen Nachweises. Es reichen der Wohnsitz, an dem man angemeldet ist, und der auf der Lohnsteuerbescheinigung verzeichnete Arbeitsort.

Seit dem Steuerjahr 2012 gibt es jedoch eine Neuerung: Fährt ein Arbeitnehmer abwechselnd mit öffentlichen Verkehrsmitteln und seinem eigenen Auto zur Arbeit, musste er bislang umfangreiche Aufzeichnungen erstellen und prüfen, ob es günstiger ist, die Entfernungspauschale oder die tatsächlich angefallenen Kosten als Werbungskosten anzusetzen. Durch Umstellung der tageweisen auf eine jährliche Vergleichsrechnung entfällt seit dem 1. Januar 2012 für den Betroffenen die Notwendigkeit, entsprechende Aufzeichnungen zu führen und im Erklärungsvordruck darzulegen. Künftig werden entweder die tatsächlichen Kosten der öffentlichen Verkehrsmittel oder die Entfernungspauschale als Werbungskosten angesetzt.

Arbeitsmittel

Auch Arbeitsmittel gehören zu den Werbungskosten. Daher sollte man Quittungen für Fachliteratur, Büromaterialien und typische Berufskleidung unbedingt sammeln. Bei der Berufskleidung werden jedoch in der Regel nur „typische“ Stücke, wie Arbeitsanzüge für Schlosser, Bäckerkittel u. ä. anerkannt. Auch die Aufwendungen für die Reinigung der typischen Arbeitskleidung sind Werbungskosten. Der Anzug eines Bankangestellten gehört nicht dazu, denn dieser kann auch zu privaten Anlässen getragen werden. Eine private Nutzung der Kleidung muss überwiegend ausgeschlossen sein.

Bei den Arbeitsmitteln kann auch die Anschaffung eines Computers geltend gemacht werden, wenn ein enger Zusammenhang zum eigenen Beruf nachgewiesen werden kann. Vielleicht ist der Arbeitgeber bereit, eine kurze schriftliche Bescheinigung mit einer plausiblen Begründung zur beruflichen Notwendigkeit dieser Anschaffung auszustellen. Das könnte sehr hilfreich sein.

Übersteigt der Anschaffungspreis des Computers 410 Euro (ohne Umsatzsteuer), so muss der Computer über drei Jahre abgeschrieben werden. Das heißt, dass drei Jahre lang jeweils ein Drittel der Kosten für den Computer bei den Arbeitsmitteln von der Steuer abgesetzt werden kann.

Jedoch müssen auch die entsprechenden Monate im Jahr der Anschaffung genau berücksichtigt werden. Wird der Computer in der Mitte eines Jahres angeschafft (beispielsweise im Juli), kann nur die Hälfte des Drittels als Kosten angesetzt werden.

Das Finanzamt wird aber nicht den vollen Anschaffungspreis bzw. Abschreibungsbetrag des Computers anerkennen, da er ja auch zum Spielen und sonstigem privaten Vergnügen genutzt werden kann. Kann der Steuerzahler nachweisen oder zumindest glaubhaft machen, dass der PC nicht nur unwesentlich beruflich genutzt wird, müssen die Finanzämter ohne weitere Prüfung davon ausgehen, dass der PC zur Hälfte beruflich und zur anderen Hälfte privat genutzt wird. Man sollte den Anteil der beruflichen Nutzung schätzen und dies auch begründen können. Bei einer hälftigen privaten Nutzung muss der ermittelte Abschreibungsbetrag halbiert werden. Nur dieser Betrag kann in der Steuererklärung für das Arbeitsmittel Computer angesetzt werden.

Umzugskosten

Auch die Kosten für einen Umzug, der wegen der Aufnahme einer neuen Arbeitsstelle nötig wird oder durch den sich die tägliche Fahrtzeit zur Arbeitsstätte um mindestens eine Stunde reduziert, zählen zu den Werbungskosten. Die Kosten eines Mietwagens oder der Spedition, Maklergebühren und doppelte Mietzahlungen, wenn sich die Mietverträge am alten und am neuen Wohnort überschneiden, können angesetzt werden. Außerdem zählen auch Reisekosten im Zusammenhang mit dem Umzug dazu.

Die Reisekosten berechnen sich aus Fahrtkosten, Unterbringungskosten und Pauschbeträgen für Verpflegungsmehraufwendungen. Fahrtkosten werden mit Fahrkarten nachgewiesen. Bei Benutzung eines Pkw können 30 Cent pro gefahrenen Kilometer berechnet werden. Die Pauschbeträge für die Verpflegung richten sich nach der Dauer der Abwesenheit pro Tag. Bei 24 Std. Anwesenheit können 24 Euro geltend gemacht werden, bei mindestens 14 Std. 12 Euro und bei mindestens 8 Std. sind es 6 Euro.

Ein kurzes Beispiel:
Paul fährt Freitag um 20:00 Uhr von Bielefeld nach Hamburg, wo er im Oktober eine neue Stelle antritt. Am Samstag besichtigt er fünf verschiedene Wohnungen und ist erst um 20:00 Uhr wieder zu Hause. Er kann bei seiner Steuererklärung neben den Fahrtkosten nun 12 Euro Verpflegungsmehraufwand geltend machen, weil er am Samstag 20 Std. unterwegs war. Am Freitag war er nur 4 Stunden unterwegs und kann daher keine Kosten geltend machen. Dafür kann er aber die Kosten der Übernachtung mit einer Rechnung nachweisen und in der Steuererklärung angeben.


Absetzbar ist zusätzlich auch ein Pauschbetrag für „sonstige Umzugskosten“. Der Pauschbetrag für das Jahr 2012 beträgt 657 Euro für Ledige (seit dem 1. März 2012 679 Euro) und 1.314 Euro für Verheiratete (seit dem 1. März 1.357 Euro). Relevant für den Ansatz des Pauschbetrages ist, wann der Umzug stattgefunden hat. Bei Umzügen vor dem 1. März gilt der niedrigere Pauschbetrag und für Umzüge nach dem Stichtag der höhere Pauschbetrag. Abgedeckt werden so beispielsweise die Kosten für die Anmeldung eines Kfz am neuen Wohnort, die Kosten der Ummeldung des Telefonanschlusses oder Trinkgelder für das Umzugspersonal. Solche Kosten müssen dann nicht anhand einzelner Belege nachgewiesen werden.

Bewerbungskosten

Auch Kosten für Bewerbungen, von Bewerbungsmappen über Porto, Kopien, Bewerbungsfotos, Inserate, bis hin zu den Reisekosten für Reisen zu Bewerbungsgesprächen, zählen zu den Werbungskosten. Geleistete Erstattungen vom Arbeitsamt oder vom potenziellen Arbeitgeber müssen jedoch gegen die Aufwendungen aufgerechnet werden.

Fortbildungskosten und Kontoführungsgebühren

Auch die Kosten einer beruflichen Fortbildung oder Kontoführungsgebühren sind als Werbungskosten abzugsfähig.

Steuerberatungskosten

Früher wurden Steuerberatungskosten in der Regel als Sonderausgaben anerkannt. Diese Möglichkeit besteht seit der Einkommensteuererklärung 2006 nicht mehr. Nun können nur noch solche Steuerberatungskosten geltend gemacht werden, die Werbungskosten oder Betriebsausgaben darstellen. Der Arbeitsaufwand des Steuerberaters und dessen Kosten, die nicht auf die Bearbeitung des allgemeinen Formulars (Mantelbogen) und die Anlagen AV und VL entfallen, sind weiterhin als Werbungskosten oder Betriebsausgaben abzugsfähig.

Die Kosten für den Steuerberater müssen dementsprechend aufgeteilt werden. Die Kosten, die im Zusammenhang mit steuerpflichtigen Einnahmen stehen, zum Beispiel aus nichtselbstständiger Arbeit (Arbeitnehmer – Ausfüllen der Anlage N) oder Vermietung und Verpachtung, sind weiterhin abzugsfähig. Der Steuerberater wird von sich aus die Rechnung entsprechend ausgestalten.

Nicht abziehbar sind die Kosten für das Ausfüllen der Anlagen der Einkommensteuererklärung. Der Steuerberater wird von sich aus die Rechnung entsprechend ausstellen. Steuererklärungsprogramme, Fachliteratur zum Anfertigen der Steuererklärung oder die Beiträge zu Lohnsteuerhilfevereinen sind bis zu einem Wert von 100 Euro pro Jahr voll als Werbungskosten abzugsfähig. Bei höheren Aufwendungen können entweder 100 Euro oder 50 Prozent der Aufwendungen abgesetzt werden. Der Steuerzahler kann die jeweils günstigere Variante wählen.

Beispiel: Steuerberatungskosten

Der Steuerzahler A zahlt 150 Euro für ein Fachbuch zur Einkommensteuererklärung. In seiner Einkommensteuererklärung wird er 100 Euro als Werbungskosten ansetzen. Der Steuerzahler B zahlt 280 Euro Mitgliedsbeitrag zu einem Lohnsteuerhilfeverein. In seiner Einkommensteuererklärung wird er 140 Euro als Werbungskosten ansetzen.

Häusliches Arbeitszimmer

Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer können bis zu 1.250 Euro im Jahr berücksichtigt werden, wenn dem Steuerzahler kein anderer Arbeitsplatz beim Arbeitgeber zur Verfügung steht. Befindet sich der qualitative Schwerpunkt der betrieblichen oder beruflichen Tätigkeit im häuslichen Arbeitszimmer, sind die Kosten unbeschränkt abzugsfähig.

Weitere Werbungskosten

Es gibt natürlich noch weitere Ausgaben, die zu den Werbungskosten zählen, die aber nur auf bestimmte Berufsgruppen und Lebenssituationen zutreffen und die hier nicht vollständig aufgeführt werden können. In der Rubrik Links wird auf Internetseiten verwiesen, die weitere Tipps zu den Werbungskosten bereithalten. (Falls Sie aus beruflichen Gründen eine Wochenendbeziehung führen und zwei Wohnsitze nachweisen können, dann sollten Sie sich über das Thema doppelte Haushaltsführung näher informieren – siehe auch Thema "Heirat und Steuern".)